Vitamin D ist kein Lifestyle-Gimmick, sondern ein Hormonvorläufer mit hoher Relevanz für die Gesundheit, z.B. die Knochengesundheit. Und gerade deshalb lohnt es sich seinen Versorgungsstatus zu kennen, um genau zu wissen: Brauche ich überhaupt ein Supplement? Wenn ja, wie viel? Und woran merke ich, ob es passt? Hier ist eine Messung sehr sinnvoll, weil dann zu raten, ob und wieviel Vitamin D supplementiert werden sollte, genau nach Blutwert dosiert werden kann. Zudem lässt sich durch Verlaufsmessungen auch gut sehen, ob das verwendete Präparat gut anschlägt oder auf ein anderes umgestiegen werden sollte. Bei Nahrungsergänzungsmitteln kann es sehr große Schwankungen im Gehalt geben.
Was macht Vitamin D im Körper eigentlich?
Die am besten gesicherte Rolle von Vitamin D betrifft die Regulation des Calcium- und Phosphatstoffwechsels und damit Knochen, Zähne und Muskelfunktion. Ein ausgeprägter Mangel erhöht z.B. das Risiko für Knochenprobleme wie Osteomalazie, Osteopenie und erhöhtes Osteoporose-Risiko bei Rachitis bei Kindern.
Zu den viel diskutierten „Extras“ (Immunsystem, Stimmung, Infekte, Herz Kreislauf, Krebsprävention) gibt es eine große Studienlage, aber die Ergebnisse sind je nach Endpunkt und Population uneinheitlich. Das ist auch der Grund, warum Fachgesellschaften beim Thema „präventiv hoch dosieren“ deutlich zurückhaltender sind als viele Social Media Empfehlungen. Da es aber vielen besser geht mit einem Blutspiegel im oberen Referenzbereich, ist es dennoch für viele sinnvoll, etwas höher zu dosieren als von Fachgesellschaften empfohlen, wenn man die Blutwerte dabei im Blick hat. Manchen reichen 1000IE am Tag, andere brauchen deutlich mehr.
Warum Vitamin D in Deutschland so oft niedrig ist
Vitamin D kann der Körper über UVB Strahlung in der Haut bilden. In unseren Breiten ist das vor allem zwischen März und Oktober möglich. Im Winterhalbjahr (Oktober bis März) reicht die Sonneneinstrahlung in Deutschland in der Regel nicht für eine ausreichende Neubildung.
Dazu kommt, dass viele tagsüber drinnen sind und draußen Sonnenschutz nutzen und viel Hautfläche von Kleidung bedeckt ist. Auch ein höheres Alter, dunklere Hauttypen oder auch Übergewicht erhöhen den Vitamin D Bedarf über Supplementierung.
Wie häufig das in Zahlen sichtbar wird, zeigen RKI Daten: Rund 30,2 % der Erwachsenen haben eine mangelhafte Vitamin D Versorgung, und nur 38,4 % erreichen eine ausreichende Versorgung (bezogen auf die Knochengesundheit).
Wann eine Messung besonders sinnvoll ist
Praktisch sinnvoll ist eine Messung, wenn mindestens einer dieser Punkte zutrifft:
- wenig Sonne (Winterhalbjahr, Schichtarbeit, viel Büro, bedeckende Kleidung)
- höheres Alter, Pflegeeinrichtung
- Osteopenie, Osteoporose, Frakturrisiko
- Schwangerschaft oder Stillzeit (individuelle Situation beachten)
- Übergewicht
- chronische Darmerkrankungen, Malabsorption
- Medikamente, die Vitamin D Stoffwechsel beeinflussen können (zum Beispiel einige Antiepileptika oder Glukokortikoide)
- du supplementierst bereits, bist aber unsicher, ob die Dosis passt
Welcher Wert gemessen wird und wie man ihn einordnet
Der Standardmarker ist 25 Hydroxy Vitamin D, also 25(OH)D im Blut. Das ist der zentrale Laborparameter zur Statusbeurteilung.
Für die Einordnung werden häufig diese Schwellen genutzt (Knochengesundheit):
- < 30 nmol/l (< 12 ng/ml): Mangel
- 30 bis < 50 nmol/l (12 bis < 20 ng/ml): suboptimal
- ab 50 nmol/l (ab 20 ng/ml): ausreichend für die Knochengesundheit
- 100-175nmol/l (40-70ng/ml) optimale Versorgung
- ab 250nmol/l (100ng/ml) Überversorgung –> Supplements absetzen und Werte messen, erst wieder einnehmen, wenn im Bereich optimaler Versrogung
Wichtig: Es gibt je nach Fachgesellschaft unterschiedliche Zielkonzepte, und „optimal“ ist nicht überall gleich definiert. Deshalb ist Beratung zur Einordnung so viel wert.
Supplementieren: sicher, passend, ohne Über und Unterdosierung
Die DGE nennt für Personen ab 1 Jahr bei fehlender körpereigener Bildung eine angemessene Zufuhr von 20 µg pro Tag, das entspricht 800 I.E.
Gleichzeitig sieht man in der Praxis beides sehr häufig:
- Unterdosierung, weil Menschen „lieber vorsichtig“ sind und dann monatelang in einem Bereich bleiben, der klinisch wenig verändert
- Überdosierung durch unkoordiniertes Kombinieren, zum Beispiel mehrere Präparate parallel, hoch dosierte Wochenkapseln plus Tropfen plus Multivitamin oder durch Megadosen importierter Produkte dubioser Anbieter.
Die oberen sicheren Grenzen liegen für Erwachsene bei 100 µg (4.000 I.E.) pro Tag wenn die Blutwerte nicht bekannt sind. Sind sie bekannt, kann in Absprache mit einer Fachperson temporär auch eine höhere Dosis eingenommen werden oder auch dauerhaft je nach Körpergewicht und Blutwert.
Vitamin D Intoxikation ist selten, entsteht aber praktisch immer durch zu hohe Supplementdosen über längere Zeit und kann zu Hyperkalzämie führen.
Genau deshalb macht eine Messung plus Beratung so viel Sinn: Du bekommst eine Dosis, die zu deinem Ausgangswert, deinem Körpergewicht, deiner Jahreszeit und deinem Alltag passt, und du vermeidest sowohl „zu wenig, bringt nichts“ als auch „zu viel, unnötiges Risiko“.
Warum die Apotheke dafür ein sehr guter Ort ist
Apotheken sind niedrigschwellig erreichbar, und genau das ist bei Prävention ein echter Hebel. Aber es geht nicht nur um Bequemlichkeit, sondern um Qualität in der Umsetzung:
1) Standardisierte Durchführung reduziert Fehlerquellen
Vitamin D Messungen sind analytisch anspruchsvoll, unter anderem wegen Bindungsproteinen und methodischer Unterschiede. Außerdem gibt es zwischen verschiedenen Assays relevante Abweichungen, die die Interpretation erschweren können.
Wenn geschultes Personal die Probenahme, Testdurchführung und Plausibilitätsprüfung übernimmt, sinkt das Risiko für typische DIY Fehler.
2) Schnelltest heißt nicht automatisch „unzuverlässig“
Point of Care Verfahren können valide Ergebnisse liefern, es gibt dazu Validierungsstudien.
3) Der wichtigste Teil ist die Qualität der Tests, die fehlerfreie Durchführung und Interpretation
In der Apotheke kannst du direkt besprechen:
- welche Dosis realistisch sinnvoll ist
- wie lange, und wann eine Kontrollmessung sinnvoll wäre
- welche Präparate du bereits nimmst (Doppelungen sind häufiger als man denkt)
- worauf du bei Calciumzufuhr, Ernährung, Nierenfunktion oder bestimmten Medikamenten achten solltest
Das ist der Unterschied zwischen „ich habe einen Wert“ und „ich weiß, was ich jetzt damit mache“.
Deutschlandweite Liste: Apotheken mit Vitamin D Messung
Ich habe eine Übersicht mit Apotheken in Deutschland erstellt, die Vitamin D Messungen anbieten.
Hier geht es zur Liste: Apothekenfinder Vitamin D Messungen deutschlandweit
Schau gerne vorbei, bestimmt ist auch eine Apotheke in der deiner Nähe dabei.
Wenn du in einer Apotheke arbeitest, die Vitamin D Messungen anbietet und noch nicht auf der Liste steht, melde dich gern bei mir, dann ergänze ich euch. Kontakt: behrendt.antje[a]yahoo.de
